Felix und Hertha von Rettershof 1947
Chronologische Zeitleiste
Die Geschichte des Rettershofs - "Vom Kloster zu Kelkheims Juwel"
 
1146
Die Stiftung des Prämonstratenserklosters Retters durch den Grafen Gerhard von Nürings (ehem. Burg bei Falkenstein) wird bestätigt. Retters (in reteresse, nach einem Personennamen Rather) erstmals urkundlich erwähnt.

1190-1360
Blütezeit des Klosters.

um 1200
Das Doppelkloster mit Mönchen und Nonnen wird reines Nonnenkloster. Es dient vor allem der standesgemäßen Versorgung unverheirateter Töchter aus den Kreisen des Niederadels, die sich der Seelsorge, der Krankenpflege und der Armenfürsorge widmen.

1221
Kloster Retters hat Besitz und Einkünfte in 40 Orten, vor allem im Vordertaunus und der Wetterau. Insgesamt sind es etwa 70 Orte, in denen das Kloster begütert war.

1293
Aus wirtschaftlichen Gründen wird die Zahl der Nonnen auf 50 beschränkt.

1269-1292
lebte die selige Christina, die später von Retters genannt wird. Ihr war die Sorge für die Kranken und Siechen des Klosters übertragen.

ab
1367
wirtschaftlicher Rückgang und Stagnation des Klosterlebens.

um
1500
In Retters leben ca. 20 Personen.

1559
Nach Misswirtschaft, Hunger, Elend und Not wird das Kloster, in dem nur noch drei Nonnen leben, durch den lutherischen Landesherrn Graf Ludwig von Stolberg-Königstein aufgelöst und umgewandelt in ein Hofgut. Die kleine Klosterkirche, die an der Stelle des heutigen Reitplatzes stand, wurde ebenso wie die anderen Klostergebäude im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zerstört.
Das Hofgut Retters, auch Hof Röders genannt, wird Domänengut im Besitz von häufig wechselnden Pächtern bzw. Erbleihbeständen.
 
Eigentümer sind:
1559-1581 Graf von Stolberg-Königstein
1581-1803 Kurfürsten von Mainz
1803-1806 Fürst von Nassau-Usingen

1884
kauft Frederik Arnold Rodewald zu Feldheim bei Wimbledon in Surrey/England für 78 000 Mark das Hofgut und löst die jährlichen Zahlungen für das Domänenerbleihrecht mit einem Betrag von 18 693 Mark ab. Damit ist der Rettershof vollständig in Privateigentum übergegangen.

1885
Frederick Rodewald lässt das Schloss im englischen Landhausstil für 200.000 Mark als Wohnsitz für seine Tochter Alice und deren Ehemann, Oskar Freiherr von Dieskau, erbauen. Freiherr Oskar von Dieskau stirbt bereits im März 1885. Die Witwe heiratet im folgenden Jahr dessen Bruder Leopold.

1889
Alice von Dieskau, geb. Rodewald, wird nach dem Tod ihres Vaters (1886) Eigentümerin des Rettershofes. Besitzer ist ihr Ehemann Leopold Freiherr von Dieskau.

1903-1924
Sibylle, Prinzessin von Hessen, und ihr Ehemann, Friedrich Freiherr von Vincke, kaufen den Rettershof für 210 000 Mark.

1924-1979
Hofgut und Schloss befinden sich im Eigentum des Majors a.D. Felix von Richter und seiner Frau Hertha von Rath (später Gräfin Rothkirch); zuletzt deren Tochter Felicitas Bienzle. In den 20er und 30er Jahren wird das Hofgut in seiner heutigen Form im historischen Stil der Jahrhundertwende gestaltet.

1928
Einrichtung einer Damenreitschule.

1938
Eröffnung des Café-Restaurants „Zum Fröhlichen Landmann“

1945-1953
Das Schloss ist von der amerikanischen Armee beschlagnahmt.

1953
Die „Organisation Gehlen“, der Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes, ist für kurze Zeit im Schloss untergebracht.

1953-1973
Die Bachschule, eine Fremdsprachenschule mit Internat aus Leipzig, findet im Schloss ein Zuhause.

1973-1980
Die deutsche Sektion der Hindu-Sekte „Hare Krishna“ hat das Schloss gemietet.

1980
Seit 1. Januar 1980 ist die Stadt Kelkheim (Taunus) Eigentümerin des Rettershofes. Um einer Zersplitterung des Gutes zuvorzukommen und das Anwesen als Naherholungsziel der Allgemeinheit zu erhalten, wurde es mit allen Gebäuden, Inventar, Vieh, Wald, Ackerland und Wiesen, insgesamt ein Gelände von 110 Hektar, für 9,1 Mio. Mark von der letzten Eigentümerin Felicitas Bienzle, geb. von Richter-Rettershof, gekauft.
Der Rettershof wird seitdem von einer eigens für diesen Zweck gegründeten Betriebsgesellschaft "Gutsverwaltung Rettershof GmbH" verwaltet.

bis 1985
An den Gebäuden werden umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Am Schloss entsteht ein Hotelanbau und der "Fröhliche Landmann" wird nahezu erneuert. Von der Stadt Kelkheim (Taunus) werden rund 16 Mio. DM in die Rettershof GmbH investiert.

1997
Durch einen Bürgerentscheid wird mit 259 Stimmen Unterschied der Bau eines 18-Loch-Golfplatzes auf dem Rettershof verhindert.
1997
Der Retterser Bach wird mit einem Kostenaufwand von rund 1 Mio. DM auf einer Strecke von fast 2000 Metern renaturiert.

2000
Die neue Reithalle entsteht mit modernsten Anlagen (Boxen für 45 Pferde mit Paddocks und Pferde-Solarium).

2001
Der Obst- und Gartenbauverein Fischbach kreiert die "Rettershofer Apfel-Perle", einen Apfelschaumwein, hergestellt von den Äpfeln der heimischen Streuobstwiesen.

2003
Der erste "Retterser Geist" wird in der wieder instand gesetzten Brennerei gebrannt und zur Reifung in Holzfässern gelagert.

2005
Der "Retterser Apfelbrand" wird mit dem DLG-Preis in Bronze ausgezeichnet.

2009
Wie eine Urkunde von 1281 belegt, besaß das Kloster Retters einen Weinberg in Wicker. Speziell für den Rettershof abgefüllter Wein des Wickerer Nonnbergs ist mit einem besonderen Künstleretikett versehen und wird zum verkauf angeboten.