Kelkheim (Taunus) ist die Stadt der Möbel. Seit Generationen haben hier kreative Menschen die Basis geschaffen für ein Angebot, in dem handwerkliche Kompetenz, hochwertige Materialien und ein weltoffener Geschmack eine feste Verbindung eingingen.
Kelkheim (Taunus), fast gleich weit vor den Toren von Frankfurt und Wiesbaden gelegen, hat eine bis heute nicht unterbrochene Tradition als "Stadt der Möbel" und des Schreinerhandwerks. Die kreative Branche wurde eigentlich aus der Not heraus geboren. Die Äcker im Taunus, durch fortwährende Erbteilung immer weiter zerstückelt, konnten ihre Eigentümer in der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr ausreichend ernähren. Die Leinenweberei bescherte den Kleinbauern für einige Zeit ein Zubrot, bis der mechanische Webstuhl erfunden wurde. Kelkheims Geschichte als Bergbauort war nur eine Episode. Zwischen 1856 und 1867 gab es im heutigen Stadtgebiet zwei Dutzend kleiner Gruben, die in geringer Tiefe "Brauneisen" abbauten. Der Zerfall der Erzpreise, mangelnde Ausbeute, steigende Kosten für den Abbau und den Transport zu den Hütten in Höchst und Biebrich führten schon nach wenigen Jahren zum Niedergang dieses Erwerbszweiges. Ihre eigentliche Profession entdeckten die Kelkheimer als sich um das Jahr 1860 zwei Familien im Nebenerwerb mit dem Bau von Möbeln versuchten.

Die eine hatte eine Wagnerei und die zweite Pionierfamilie betrieb den Mühlenbau. Das Beispiel dieser Handwerker inspirierte viele Bauern. Die Wälder des Taunus bargen die wertvollen Rohstoffe für die Möbeltischlerei. Die nahen Städte Frankfurt, Mainz und Wiesbaden waren der ideale Markt vor der Haustür. Vier bis sechs Wegstunden brauchte eine Lieferung im Pferdewagen seinerzeit bis zum Kunden, da die Bahnverbindung nach Kelkheim erst 1902 geschlossen wurde. Die ersten Kelkheimer "Nebenerwerbs-Handwerker" hantierten noch mit Säge, Hobel und Leimtopf in der Küche. Erst allmählich entstanden kleine Werkstätten, und der Platz reichte für die Herstellung größerer Möbel. Wichtigste Erzeugnisse waren kleine Haushaltsmöbel, überwiegend Kommoden und Nachttische, aber auch Betten - alles in Handarbeit. Diese frühe Generation der Möbelschreiner, zu der 1885 schon 25 Schreinereien mit etwa 45 Mitarbeitern zählten mussten sich ihre Abnehmer beim Handel noch selbst suchen. Die Nachfolger ließen sich für gut 20 Jahre auf die Kooperation mit den so genannten Möbelverlegern in Höchst am Main ein und betätigten sich als Zulieferer von Bauteilen für größere Serien und Kleinmöbel.

Die für lange Zeit sicheren Absatzwege und neue Möglichkeiten, Maschinen bei der Möbelherstellung einzusetzen, reizten viele junge Männer zur Existenzgründung. 1905 gab es in Kelkheim (Taunus) 105 Betriebe mit ebenso vielen Meistern sowie rund 260 Gesellen und Lehrlingen. Doch die Möbelbauer aus dem Taunus mussten die Abhängigkeit von den Höchster Verlegern im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wieder lösen, weil diese eigene Fabriken eröffneten und den Kelkheimer Zulieferern immer weniger Stücke abnahmen.

Die Entwicklung, die durch den Ersten Weltkrieg ein weiteres mal gebremst wurde, verlief in den ersten zwanzig Jahren des neuen Jahrhunderts wenig stürmisch als noch in der Gründerzeit. Mit dem Kriegsende begann die eigentliche Blüte der Branche. An jedem zweiten Haus in der Frankfurter Straße hing das Schild eines Möbelschreiners. Zwischen Münster und Vockenhausen werkelten mehr als 700 Beschäftigte in gut 180 Betrieben an den passenden Einrichtungen für Schlaf-, Speise- und Herrenzimmer. Zum standesgemäßen Speisezimmer gehörten ein Büffet und eine Kredenz, ein Tisch und sechs Stühle. Das Herrenzimmer war mit Bücherschrank, Schreibtisch, Tisch und Schreibtischsessel komplett. Eiche, dunkel gebeizt, war der saisonübergreifende Lieblingsfarbton.

Aus Kelkheimer Herstellung waren meist nur die großen Möbel. Stühle, Sessel und Tische wurden passend hinzu gekauft. Schlafzimmereinrichtungen waren die eigentlichen Spezialitäten der Möbelschreiner aus dem Taunus in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Betten, Nachttische, Kleiderschränke, "Waschkommode und Frisiertoiletten" machten mehr als Dreiviertel der Produktion aus.

Nach damaligem Qualitätsverständnis war der Kern der Möbelwände aus Sperrholz. Als außenfurniert wurden verschiedene Edelhölzer je nach Geschmack verwendet. Unter den einheimischen Sorten rangierte Eiche vor Kirsche und Nussbaum. Gefragt waren damals aber auch exotische Hölzer, vor allem geflammte kanadische Birke, Mahagoni, französisches und kaukasisches Nussbaumholz. Hochglanzpoliert waren die äußeren Flächen der Möbel aus der Kelkheimer Herstellung.

Nur bei Eichenfurnier galt die Ausnahme, es wurde lediglich mattiert. Wegen dieses Unterschieds war die Produktion von Eichenmöbeln doch wesentlich einfacher. Selbst die größeren Fabriken mit ihrer Serienförderung waren dazu schon in der Lage. Von den Möbelorten im Taunus hatte man sich nur in Fischbach in größerem Stil mit Einrichtungen aus Eiche befasst. An den übrigen Plätzen, vor allem in Kelkheim, wurden fasst ausschließlich bessere und fein polierte Schlafzimmer gefertigt.

Die Kelkheimer Möbelausstellung war eine Veranstaltung, die ein umfassendes Bild des hohen Standes der Möbelindustrie in qualitativer und künstlerischer Hinsicht zeigte. Aus der ersten gemeinsamen Präsentation wurde eine lange Tradition, die erst 1997 mit der letzten Möbelausstellung endete.

Der Ruf der Kelkheimer Möbelschreiner gelangte weit in die Welt, bis zum Horn von Afrika. Der letzte Kaiser von Äthiopien, Haile Selassie, ließ sich seine Einrichtung mit Möbeln aus Kelkheim komplettieren.

Als die Möbel leichter wurden und die Einrichtungshäuser auf die grüne Wiese wanderten, mochten die Kelkheimer noch immer nicht von ihren Qualitätsansprüchen lassen. Die Umstellung auf eine industrielle Fertigung war für die meisten kleinen Handwerksbetriebe nicht interessant oder möglich. In der Chemie und in der Automobilindustrie wurde inzwischen besser bezahlt als im Handwerk. Aber auch, wenn die Branche sich veränderte, hat die Zunft der Möbelmacher dort noch eine gute Zukunft vor sich. Kelkheims Ruf als "Stadt der Möbel" hat seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine kleine Schar ambitionierter Designer, Innenarchitekten, Restauratoren und Schreiner angelockt, die mit neuen Impulsen das traditionelle und hochwertige Angebot ergänzen. Beim Umgang mit Holz gibt es vermutlich kein handwerkliches Problem, vor dem ein Kelkheimer Schreiner kapituliert. Die Stärken der kreativen Handwerker in Kelkheim sind seit Generationen ihre Offenheit, Vielfalt und Flexibilität.

Sie können für die Gründerzeitvilla und den Bungalow aus den frühen 1960er Jahren den passenden Innenausbau liefern. Zum geerbten Wohnzimmerschrank können Sitzgruppen, Zimmertüren, Holzdecke oder Parkett - in Holzton und Form abgestimmt - in Kelkheim bestellt werden. Dem Meister oder der Meisterin reicht ein Foto, um das richtige Holzprofil nachzuempfinden, das den Kunden bei einem exotischen Urlaub beeindruckte. Ob Frankfurter Schrank oder westfälisches Bauernmöbel, ob traditionelle Strichlackoberfläche mit Blattgoldrändern oder Schleiflack, ob Pinie, Mahagoni, Eiche oder Kirschbaum - wer weiß was er will, der wird sich seine Wünsche in einer der Kelkheimer Möbelwerkstätten oder in den Einrichtungshäusern erfüllen können.


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