Fischbach

Katholische Pfarrkirche Fischbach


von Dietrich Kleipa

Die heutige kath. Pfarrkirche liegt in der Fischbacher Kirchgasse, in reizvoller Lage am Ortsrand über dem Talgrund des Fischbaches. 1778-1781 wurde sie an der Stelle eines baufällig gewordenen Gotteshauses errichtet. 1781, das Jahr ihrer Fertigstellung, ist als Maueranker an der Giebelseite eingelassen und auch verschlüsselt im Chronogramm über dem Portal zu lesen. Ursprünglich war der hl. Matthäus der Kirchenpatron. Mit der Übernahme des Gimbacher Wallfahrtsbildes im Jahre 1830 wurde dann hier vorwiegend die hl. Dreifaltigkeit verehrt, die dann seit 1956 alleinige Patronin der Fischbacher Kirche ist.

Die Dreifaltigkeitskirche vermittelt den Baustil einer dörflichen Kirche des 18. Jahrhunderts: Der einfache Saalbau mit einem dreiseitigen Chorabschluss und Haubendachreiter wird durch schmale Rundbogenfenster gegliedert. Die angebaute Sakristei, Vorhalle und Seitenkapelle sind Ergänzungen der Jahre 1954-1956.

Der Kirchenraum, 1996 von Grund auf renoviert, birgt eine überraschende Fülle von Werken aus dem 18. Jahrhundert. Von den ehemals vorhandenen Seitenaltären stammen Statuen der Immaculata und des Matthäus, beide wohl 1782 von dem Mainzer Bildhauer Johann Sebastian Pfaff für die neuerbaute Kirche geschaffen. Noch zur Ausstattung der alten Kirche könnten die Statuen des Johannes Nepomuk und des Wendelin, beide um 1750-1760 entstanden, gehört haben. Mehrere Bildwerke gelangten aus anderen Kirchen nach Fischbach. Die eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe im Chor wurde 1728-1730 für den Hochaltar der ehem. Kapuzinerkirche in Frankfurt vom Frankfurter Bildhauer Cornelius Andreas Donett geschaffen. Sie kam dann in das Königsteiner Kapuzinerkloster und nach dessen Aufhebung 1813 von dort in die Dreifaltigkeitskirche. Gleichfalls von Königstein nach Fischbach gelangten eine weitere Immaculata (um 1725-1730), die von dem Koblenzer Bildhauer Johann Peter Pfeiffhofen stammen könnte, sowie ein Relief mit der Darstellung der Dreifaltigkeit.

Die 1781/82 von Johann Andreas Mahr in Wiesbaden gebaute Orgel war ein Teil der Ausstattung nach dem Neubau der Kirche. Der schöne Prospekt auf der Orgelempore blieb erhalten. Ihn dieses barocke Gehäuse hat die Firma Klais aus Bonn 1964 ein neues Orgelwerk mit 17 Register eingebaut. In der Dreifaltigkeitskirche sind drei Glocken vorhanden, alle gegossen von der Firma Rincker in Sinn in den Jahren 1950 und 1952.

Die Dreifaltigkeitskirche ist die älteste Wallfahrtsstätte im Bistum Limburg. Die Pilger kommen überwiegend am Feste der Hl. Dreifaltigkeit (Sonntag nach Pfingsten) und am dritten Sonntag im September nach Fischbach. Besucht wird das „Gimbacher Wallfahrtsbild" von 1717 aus der 1830 abgebrochenen Kapelle beim Gimbacher Hof. Dieses Bild mit der Darstellung des Empfangs Mariens im Himmel durch die Hl. Dreifaltigkeit befindet sich in einer Seitenkapelle der Kirche, zusammen mit einem Glasgemälde des hl. Antonius (der Einsiedler, aus der Zeit um 1400) und dem „Roteldisstein", einem frühchristlichen Grabstein aus dem 7. Jahrhundert.

Literatur:
Wallfahrtskirche zur Hl. Dreifaltigkeit Kelkheim-Fischbach, München, 2. Aufl. 1981 (Schnell Kunstführer)
Baron Ludwig Döry: Die barocke Ausstattung der Dreifaltigkeitskirche in Kelkheim-Fischbach, in: Rad und Sparren Nr. 7, 1981, S. 15-37