Ruppertshain

Zauberberg in Ruppertshain

von Dietrich Kleipa

Ehemalige Lungenheilstätte in Kelkheim-Ruppertshain

Der Frankfurter Verein für Genesungsanstalten konnte 1895 durch eine Spende von Hannah Baronin von Rothschild oberhalb von Ruppertshain eine Heilanstalt für unbemittelte Lungenkranke eröffnen. Die am Südhang des Taunus weithin sichtbar gelegene Volksheilstätte, erbaut nach Plänen des Frankfurter Architekten Carl Wolff, gilt als erste Volksheilstätte in Deutschland und vorbildlich für die Errichtung von Heilstätten in Deutschland und Europa. Hier sollten die an Tuberkulose erkrankten Arbeiter und Arbeiterinnen bei frischer Luft, guter Ernährung und unter ärztlicher Aufsicht Heilung finden. Die neue Heilstätte nahm damals 36 weibliche und 36 männliche Patienten auf.
Bald genügten die verfügbaren Krankenzimmer der Nachfrage nicht mehr und ein weiteres Gebäude - durch Spenden der jüdischen Mäzene Paul Cohn-Speyer und Karl Sulzbach ermöglicht - entstand östlich des alten Baus. Der 1900 eröffnete Neubau diente ausschließlich zur Aufnahme von Frauen, während der alte Bau männlichen Patienten vorbehalten blieb. Nunmehr konnten in der Heilstätte Ruppertshain 135 Patienten versorgt werden. Die beiden Bauteile wurden durch niedrige Bauten und eine Liegehalle verbunden.

Erst der Mittelbau von 1953 schloss die Lücke zwischen Männerbau und Frauenbau und die Heilstätte, im Volksmund „Hustenburg" genannt, zeigte seitdem die heute bekannte imposante Front. Aus dieser heben sich deutlich bemerkbar hervor die beiden denkmalgeschützten Altbauten mit ihren roten, farbig verzierten Dachziegeln. Zum ausgedehnten Komplex der ehemaligen Lungenheilstätte gehören gleichfalls einige vor dem Ersten Weltkrieg errichteten Häuser: Arztwohnhaus (1897), Maschinenhaus (1898), Werkstättenhaus (1905) und Ökonomiegebäude (1909). Durch den Rückgang der Tuberkulosekranken musste die Lungenheilstätte im Juli 1982 geschlossen werden. 1988 kaufte eine Investorengruppe die Gebäude und richtete dort unter dem Namen „Zauberberg" Miet-, Eigentumswohnungen, Arztpraxen und Künstlerateliers ein. Das ehemals zur Heilstätte gehörende große Gelände wurde aufgeteilt und mit Wohnhäusern bebaut.

Literatur:
Daniela Tracht; Die Volksheilstätte Ruppertshain im Taunus (Rad und Sparren 33/2004)