Kelkheim-Mitte


Stadtmitte Nord
Einwohnerzahl: 8.897
Fläche: 425 ha
Ersterwähnung: 880
Geschichte des Stadtteils:
Möbelstadt Kelkheim
Seinen Ruf als "Dorf der Möbel", später Möbelstadt erwarb sich Kelkheim zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Damals erlebte das Schreinerhandwerk in dem rund 1700 Einwohner zählenden Ort einen regelrechten Boom. Kelkheimer Schränke und Kommoden waren nicht nur im Taunus und der benachbarten Großstadt Frankfurt begehrt, sondern in der gesamten Region.

Die Kelkheimer Weber
Bevor sich das Schreinerhandwerk in Kelkheim etablierte, hatten die Einwohner des Ortes schon einiges andere versucht, um den kargen Ertrag aus der Landwirtschaft ein wenig aufzubessern.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Leinenweberei die wichtigste Nebenerwerbsquelle.
Allerdings waren die die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kelkheimer Weber äußerst ärmlich. Das Leinen wurde in Handarbeit gefertigt, und alle Familienmitglieder mussten bis tief in die Nacht mitarbeiten. Die großen Webstühle standen zumeist in den Bauernküchen, die dadurch so beengt waren, dass für das heute oft romantisch verklärte Leben der Großfamilien nur wenig Platz blieb.
Wie andernorts machte auch in Kelkheim die Einführung des mechanischen Webstuhls Mitte des 19. Jahrhunderts dem Leinenweberhandwerk den Garaus. 1849 hatte es noch 49 Weber in Kelkheim gegeben, in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts gab der letzte seines Standes den Beruf auf.

Kelkheim geht "unter Tage"
Einige der arbeitslosen Leinenweber fanden vorübergehend in einer Branche Unterschlupf, die aus heutiger Sicht reichlich kurios anmutet: im Bergbau. Dieser blieb denn auch eine kurze Episode. 1855 wurden die ersten Gruben ausgehoben. 1867 waren fast alle schon wieder geschlossen. Grund für das rasche Ende war die geringe Qualität des Kelkheimer Erzes, das zudem bald zur Neige ging.
Insgesamt waren Mitte des 19. Jahrhunderts 22 Gruben auf dem Gebiet des heutigen Kelkheim in Betrieb. Ein großer Teil von ihnen befand sich in der Nähe der Gundelhardt zwischen Kelkheim und Lorsbach, weitere am Rettershof und auf dem Gelände des heutigen Wochenendgebietes in Fischbach. Die größte Grube war die Grube "Hahn" am Fuße des Staufens mit sechs Schächten. Zeitweise arbeiteten allein hier 19 Bergleute.
Von den Eigentümern stammte kein einziger aus Kelkheim. Zwölf Gruben gehörten der "Gewerkschaft Taunushütte zu Höchst" - dahinter verbargen sich Industrielle aus Siegen, dem Sauerland, Wetzlar und Höchst. Außerdem schürften die Firmen "Jakobi, Haniel und Huyssen" aus Mühlheim an der Ruhr, und die "Gewerkschaft Fortuna", die von einem Nikolaus Schneider aus Wiesbaden repräsentiert wurde, in Kelkheim nach Eisenerz. Eine weitere Grube besaß ein Bergingenieur namens Langhanns, der ebenfalls aus Wiesbaden stammte.
Spuren der Bergbauzeit sind heute noch im Wald östlich und westlich des Fischbacher Wochenendgebietes zu finden sowie an beiden Seiten der Straße von Fischbach nach Schneidhain und östlich der Straße vom Taunusblick zur Gundelhardt.
Besonderheiten:
Der Stadtteil Kelkheim-Mitte, der 880 erstmals erwähnt wurde, ist nicht nur der Namensgeber für die Gesamtstadt, sondern mit rund 8.400 Einwohnerinnen und Einwohnern auch der Größte. Vom Klosterberg aus beherrscht das Kelkheimer Kloster mit seinem markanten Kirchturm die Landschaft und ist als Wahrzeichen der Stadt weithin sichtbar. Prunkstücke der 1908/09 erbauten Kirche sind die farbenprächtigen Glasmalereien der Fenster.

Die vor einigen Jahren, in zwei Bauabschnitten umgebaute Stadthalle ist Kelkheims "Gute Stube". Theateraufführungen, Karnevalssitzun-gen, Tanzveranstaltungen, Tagungen, Seminare, Messen, Märkte oder Modenschauen bietet sie ein vorzügliches Ambiente.

Kelkheim ist die Stadt der Möbel. In dem großen Ausstellungsraum des "Holunderhofes" ist Kelkheims Museum für Möbelhandwerk und Stadtgeschichte untergebracht. Die Ausstellung beleuchtet im wesentlichen die Besonderheiten der Kelkheimer Möbelproduktion. Darstellungen der Lebens- und Arbeitswelt in den meistens familiären Betrieben werden ebenso präsentiert wie Möbel und historische Werkstatt-Ensembles. Die Ausstellung ist eingebettet in die Präsentation der sozialen und historischen Entwicklung Kelkheims unter Herausstellung ihrer einzigartigen wirtschaftlichen Geschichte.


Im Juni 2002 wurde der Stadtpark Sindlinger Wiesen eingeweiht. Mit der Renaturierung des Liederbaches und der Anlage von Wegen für Fußgänger und Radfahrer wurde das größte Umweltprojekt Kelkheims fertig gestellt. Mit der Bebauung des ehemaligen VARIO-Firmenareals mit Wohnhäusern wurde auch der verrohrte und für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Liederbach in diesem Bereich freigelegt. Zudem wurde entlang des Liederbaches ein Fuß- und Radweg errichtet. Die "Vision" einer innerstädtischen Rad- und Fußwegachse von Münster bis Hornau ist dadurch Realität geworden. Damit ist ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Stadtpark Sindlinger Wiesen über den Mühlgrundpark, bis nach Hornau entstanden.

Kelkheims Neue Mitte ist ein Jahrhundertprojekt. In mehreren Bauabschnittenwurde eine generationsübergreifende Vision verwirklicht, die ihre Anfänge in den 1970er Jahren hatte.
Die Stadtmitte Süd, mit Wohnungen und Büros sowie den Märkten an der Wilhelm-Dichmann-straße entstanden in den 1980er und 1990er Jahren. Die städtebauliche Vision der Neuen Mitte wurde 2002 mit dem Stadtpark Sindlinger Wiesen, 2005 mit der Bebauung des VARIO-Areals, 2006 mit der Entstehung des Gesundheitszentrums und mit der im November 2008 fertig gestellten Stadtmitte Nord komplettiert. Der Marktplatz mit dem bekannten Kelkheimer Wochenmarkt, trägt zu einer lebendigen Stadtmitte bei. Das Angebot für Seniorinnen und Senioren ist zukunftsweisend in einer älter werdenden Gesellschaft. Die neue Stadtbücherei entwickelte sich zum Magnet für alle Altersgruppen.