Kelkheim-Ruppertshain


Zauberberg Ruppertshain
Einwohnerzahl: 2.142
Fläche: 450 ha
Ersterwähnung: 1294
Geschichte des Stadtteils:
Von der Gerhard-Domagk-Klinik zum Zauberberg
Das Ortsbild des Stadtteils Ruppertshain wird seit mehr als hundert Jahren dominiert durch das mächtige Gebäude der "Hustenburg", wie die Einheimischen die ehemalige Lungenheilstätte an der Robert-Koch-Straße nennen. Nach einem Intermezzo als Unterkunft für Spätaussiedler Ende des 20. Jahrhunderts werden die Räume des Gebäudekomplexes heute unter anderem von Künstlern als Ateliers und Ausstellungsflächen genutzt. Im Zuge dieser Entwicklung erhielt die Lungenheilanstalt auch einen stilvolleren Namen "Zauberberg" - in anlehnung an den berühmten Roman Thomas Mann, der in einer mondänen Davoser Lungenheilstätte spielt.

Spenden von der Baronin und den Farbwerken
Errichtet wurde die Ruppertshainer Heilstätte 1895 vom Frankfurter Rekonvaleszenten-Verein. Einen großen Teil der Baukosten für die Lungenheilanstalt trug die Baronin Hannah Mathilde von Rothschild, die letztlich auch für die Wahl des Standortes maßgeblich verantwortlich war. Denn sie hatte es - wohl aus Angst vor Ansteckung - zur Bedingung gemacht, dass die Klinik mindestens sechs Kilometer von ihrem Wohnort Königstein erbaut werden müsse. Zunächst konnten in der Klinik 75 Patientinnen und Patienten behandelt werden, doch wurde das ursprüngliche Gebäude bald zu klein. 1899 erfolgte der Anbau eines Frauentraktes. Im Ersten Weltkrieg zum Lazarett umfunktioniert, stand die Klinik während der Inflationszeit 1923 am Rande des Konkurses. Nur Spenden aus der Industrie, vor allem der Farbwerke Hoechst, konnten den weiteren Betrieb retten. 1967 erhielt die Heilstätte den Namen "Gerhard-Domagk-Klinik", nach dem Nobelpreisträger für Medizin von 1939. Allerdings gingen gleichzeitig die Belegungszahlen stark zurück. Hatte die Klinik 1960 noch 260 Betten, so waren es 1980 nur noch 160, von denen auch noch die Hälfte leer stand.

Armenfürsorge im "Bergdorf"
Bis zum Bau der Lungenheilstätte Gerhard-Domagk-Klinik herrschte in Ruppertshain eine prekäre soziale Situation. Aus alten Gemeinderechnungen und einem Beschlussbuch des Gemeinderates geht hervor, dass die Gemeinde 1851 insgesamt 38 Personen wegen deren Armut unterstützen musste - bei nur 65 Familien, die damals in dem Dorf lebten. Als Beispiel mag der Fall des des "armen ledigen" Anton Gossenauer dienen, den der Gastwirt Johann Roos bei sich aufgenommen hatte. Roos bekam für das Jahr 1851 von der Gemeinde 60 Gulden. Davon musste er seinen Gast mit "zwei Hemden, Hosen von leinenem Tuch, rindsledernen Schuhen, Wollstrümpfen, gesunder hinreichender Kost und einem angemessenen Nachtlager" versorgen. 1852 wird Anton Gossenauer mit Johann Hilz II. ein neuer Pfleger zugewiesen, der dafür zehn Gulden mehr erhält als Roos. Billiger wird es für die Gemeinde dann im darauf folgenden Jahr, als Johann Glöckner, wohl der damalige Bürgermeister, Gossenauer bei sich aufnimmt - für 59 Gulden. Allerdings wird der Pflegling im Laufe des Jahres krank und ist laut den Akten am 17. August 1853 gestorben.

Ruppertshain, die "Besenschweiz"
Dass die Gemeine die kompletten Kosten für die Armenfürsorge tragen musste, verdankt sie einer nassauischen Verordnung von 1848. Und dies war für Ruppertshain eine schwere Bürde - bis zu einem Viertel seiner Einnahmen, die sich vor allem aus dem Verkauf von Holz aus dem Gemeindewald speisten, musste das Dorf dafür Jahr für Jahr aufwenden. Der Wald bildete zu dieser Zeit auch für die einzelnen Bewohner Ruppertshain eine wichtige Erwerbsquelle, denn der Ertrag der mühsam engelegten Bergäcker war zu gering, um die Bevölkerung zu ernähren. Bekannt wurden die Ruppertshainer vor allem durch die Besen, die sie aus dem im Wald gesammelten Reisig banden - und die dem Ort den Beinamen "Besenschweiz" einbrachten.

Die "Ruppscher Raupen"
Die Bewohner Ruppertshain selbst bekamen von ihren Nachbarn den Spottnamen "Raupen" verpasst. Was wohl daher rührt, dass die Ruppertshainer Frauen und Kinder damals wie Raupen durch den Wald krochen, um Reisig, Waldbeeren oder Pilze zu sammeln. Wie in anderen höher gelegenen Taunusorten auch, trieben die Ruppertshainer zudem ihr Vieh statt auf die Weide in den Wald, wo die Schweine sich an Eicheln und Bucheckern gütlich taten. Die Rinder und Ziegen fraßen allerdings junge Bäume und kleine allerdings junge Bäume und kleine Pflanzen so stark an, dass der Wald sich nicht mehr erneuern konnten. Erst durch radikale politische Maßnahmen konnten eine nachhaltige Zerstörung des Taunuswaldes verhindert werden.
Um 1870 fanden immer mehr Ruppertshainer Männer - ähnlich wie in den anderen heutigen Kelkheimer Stadtteilen - außerhalb der Ortsgrenzen Arbeit. Einige verdingten sich auf dem Rettershof als Tagelöhner, andere gingen als Fabrikarbeiter, Zimmerleute oder Maurer in die während der "Gründerzeit" aufstrebende Städte Höchst und Frankfurt.
Besonderheiten:
Das "Bergdorf" Ruppertshain liegt 360 m über dem Meeresspiegel und wurde 1294 erstmals urkundlich erwähnt. Heute hat es rund 2.000 Einwohner.

Markantestes Gebäude in Ruppertshain ist die Ehemalige Gerhard Domagk-Klinik, die jetzt Zauberberg heißt. Die 1982 geschlossene Gerhard-Domagk-Klinik wurde 1884/95 vom Frankfurter Rekonvaleszenten-Verein als Lungenheilstätte erbaut. Das Gebäude, das jetzt nach einem Roman von Thomas Mann, den Namen "Zauberberg" trägt, wird bzw. ist schon zu einem vielfältig zu nutzenden Objekt umgestaltet. Die Bereiche – Leben, Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Gesundheit – sollen miteinander verbunden werden. Die Integration dieser fünf Bereiche wird bereits von Künstlern, wie Bildhauern, Malern und Designern, umgesetzt. Etabliert haben sich ebenso ein Arzt, eine Heilpraktikerin und eine psychologische Praxis. Von dem Restaurant aus bietet sich ein herrlicher Blick über die Mainebene, bei schönem Wetter bis zum Frankfurter Flughafen und dem Odenwald.

Ein weiterer Treffpunkt für die Vereine und die Veranstaltung von Stadtteilfesten ist die Schönwiesenhalle, die direkt neben den Sportanlagen liegt.