Kelkheim-Münster

Altes Rathaus Münster


Der wohl bekannteste Fachwerkbau in Kelkheim ist das ehemalige Rat- und Schulhaus im Stadtteil Münster. Das markante Gebäude mit charaktervollem Fachwerk über steinernem Untergeschoss und einem Satteldach mit tief herabgezogenem Krüppelwalm wurde 1789 erbaut.


Katholische Pfarrkirche Münster


von Dietrich Kleipa

Der ältere Teil von St. Dionysius ist als erster klassizistischer Kichenbau in Nassau besonders bemerkenswert. Die Kirche wurde 1808-1811 nach einem Entwurf des nassauischen Landbaumeisters Christian Zais an der Stelle einer kleineren Kirche errichtet. Sie gilt bei den Kunsthistorikern „als Musterbeispiel einer mit den bescheidensten Mitteln dennoch monumental wirkenden Dorfkirche" (Luthmer 1921). Dazu tragen im Kircheninnern acht eng gestellte, dorische Säulen bei, die als Stützen der Empore dienen.

In den einspringenden Ecken zwischen Kirchenschiff und Rechteckchor sind niedrige achteckige Türme mit flachen Zeltdächern eingelegt, was dem sonst streng antik wirkenden Bauwerk eine gefällige Silhouette gibt. Hinweisen muss man auch auf das Westportal: Es wurde durch eine immer kräftiger gesteigerte Umrahmung und den flachen Dreiecksgiebel zum Mittelpunkt der ganz schlichten Westfassade. Beiderseits dieses Portals hat man alte Grabsteinfragmente vom ehem. Kirchhof eingemauert.

Die zu klein gewordene Zais-Kirche erhielt 1969/70 nach den Plänen des Kirchenbauarchitekten Paul Johannbroer, Wiesbaden, einen flach gedeckten Anbau in Sandsteinmauerwerk mit bodenlangen Glasfenstern. Dieser Erweiterungsbau wurde so gestaltet, dass der klassizistische Kirchenbau in seiner historischen Form erhalten blieb. Bis 2008 konnte der Altbau weiterhin das Zentrum aller kirchlichen Handlungen sein. Seitdem wird die Messe im neuen Kirchenteil auf einer „Altarinsel" in der Mitte der Gläubigen zelebriert. Im Rahmen einer großen Innenrenovierung 2010/11 führte man eine bauliche Trennung zwischen Altbau und Anbau herbei, um im alten Kirchenteilden Raumeindruck des Klassizismus wiederzugewinnen.

Ein schmiedeeiserner Osterleuchter (vor 1651) und ein kleiner Taufstein aus Sandstein (1723) sind die einzigen Ausstattungsstücke aus dem vorklassizistischen Kirchenbau. Die anderen älteren Stücke gehören meist einem recht fein detaillierten Barockstil an und wurden nicht für diese Kirche geschaffen. Vor allem die beiden Nebenaltäre mit reichem Aufbau, der Marienaltar (1685) und der ehemalige Sakramentsaltar (1710), sind hervorragende Arbeiten. Diese Altäre, die ausdrucksstarke Kreuzigungsgruppe sowie die vom Mainzer Bildhauer Johann Sebastian Pfaff 1779 geschaffenen Statuen der hl. Barbara und der hl. Katharina stammen aus dem 1803 aufgehobenen Kloster Eberbach im Rheingau. Auch vier alte Kirchenbänke aus Eichenholz, zwei davon mit schön geschnitzten Wangen mit Pinienzapfen und Engelsköpfen, wurden nach der Säkularisation aus dem Kapuzinerkloster in Königstein nach Münster gebracht. Die Kanzel aus dem 18. Jahrhundert wurde 1819 in Usingen gekauft. Ein Kelkheimer Schreinermeister fertigte damals die dazu passende Kommunionbank an. Eine Madonna auf der Mondsichel und ein Missionskreuz aus Limburg gehören ebenfalls der Barockzeit an, ebenso eine kleine Pieta aus Sandstein, die vormals in der ehem. Gimbacher Kapelle gestanden haben soll.
Eine im Kunsthandel erworbene katalanische Pieta aus der Zeit um 1550 ist eine besonderen Zierde des Kirchenraumes. Den modernen Altartisch, das Tabernakel, den Ambo, die Leuchter und das Standkreuz fertigte nach den Entwürfen von Josef Jost aus Schlangenbad die Kunstgießerei der Firma Buderus (Hirzenhain), in Aluguss an.

Die Orgel wurde 1748 von Johann Christian Köhler für Pfungstadt geschaffen. Die Kirchengemeinde in Münster erwarb sie 1825, In den alten Prospekt wurde 1960 von der Firma Conrad Euler aus Hofgeismar ein neues Orgelwerk mit 22 Registern und 1484 Pfeifen eingebaut, das inzwischen stillgelegt, bis auf Weiteres durch ein Elektronium ersetzt wird.
Die Dionysiuskirche besitzt vier Glocken, die alle von der Firma Rincker in Sinn gegossen wurden. 1921: 130 kg, 1950: 185 kg, 1950: 315 kg, 1954: 625 kg

Literatur:
Gertraude Rolly: Die Geschichte der Pfarrkirche St. Dionysius zu Kelkheim-Münster, Kelkheim-Münster 1978
1000 Jahre Pfarrei Münster. Aus der alten und neuen Geschichte der Pfarrgemeinde,
Kelkheim-Münster 1994
Bernd Blisch: Klassizismus zwischen Main und Taunus. Christian Zais als nassauischer Landbaumeister, in: Rad und Sparren Nr. 37, 2007 S. 13-17


Kath. Marienkapelle in Kelkheim-Münster


von Dietrich Kleipa

Im Jahre 1883 wurde von Franz Schüler, Pfarrer in Münster von 1861 bis zu seinem Tode 1890, eine Marienkapelle gestiftet. Er hatte von der Gemeinde Münster für 30 Mark den „alten Kirchplatz im Höchster Wegfeld" gekauft und ließ dort aus eigenem Vermögen eine Kapelle errichten. Der hohe und schmale Backsteinbau mit Sandsteingewänden, Maßwerkfenstern und Fialen ist das einzige Bauwerk des neugotischen Stils in der Stadt Kelkheim. Das Schieferdach wird von einem Dachreiter überragt.

Die Flur, auf der Pfarrer Schüler das Kirchlein zur Erinnerung an eine verschwundene Feldkapelle bauen ließ, trug den Namen „Altkirch". Dort stand ehemals eine von dem Kelkheimer Zippel Hen um 1544 errichtete Wendelinskapelle, die später verfiel und deren Reste 1819 abgebrochen wurden. Landkarten aus der Zeit um 1608 und 1706 zeigen bereits die Kirchenruine. Die Schüler'sche Kapelle ging 1906 in den Besitz der Gemeinde Münster über. Nach 1954 erhielt sie einen kleinen Anbau an der Nordseite und wurde bis zum Bau der neuen Trauerhalle 2006 als Totenkapelle genutzt. Das einstmals vorhandene Inventar - ein Altar aus Eichenholz, acht Kirchenstühle, sechs Figuren und fünf Bilder - ist verschwunden. Nur eine kleine Glocke ist erhalten geblieben.

Literatur:
Gertrude Rolly:Der Friedhof und die Schüler'sche Kapelle, in: 1000 Jahre Pfarrei Münster, Kelkheim-Münster 1994, S. 47-50