Kelkheim-Fischbach


Bürgerhaus Fischbach
Einwohnerzahl: 5.860
Fläche: 679 ha
Ersterwähnung: 780
Geschichte des Stadtteils:
Wallfahrtsziel Gimbacher Hof
Der Gimbacher Hof bei Fischbach ist heute ein über die Grenzen Kelkheims hinaus bekanntes Ausflugslokal. Dass sich dort bis vor 200 Jahren eine mindestens ebenso gut frequentierte Wallfahrtskapelle befand, ist indes nur noch eingeweihten geläufig. Denn an die Kapelle und ihre bedeutende Funktion für das Erzbistum Mainz erinnert vor Ort nichts mehr.
Allerdings: Das wichtigste Ziel der Gläubigen, ein Wallfahrtsbild vom Anfang des 18. Jahrhunderts, kann auch heute noch besichtigt werden. Es wurde nach dem Abriss der Gimbacher Kapelle 1830 in die Dreifaltigkeitskirche zu Fischbach gebracht. Das Bild zeigt den Empfang der Gottesmutter Maria im Himmel, während gleichzeitig die armen Seelen im Fegefeuer gefangen sind. Und es ist an seinem neuen Standort auch immer noch Ziel von Wallfahrten, die allerdings bei weitem nicht die Ausmaße früherer Zeiten haben. Regelmäßige Gäste in der Dreifaltigkeitskirche sind etwa die Katholiken aus Mainz-Kostheim. Auch Kardinal Karl Lehmann soll schon zu Fuß nach Fischbach gepilgert sein.

"Die verdorbene Kelkheimer Jugend"
Für den Wallfahrtsboom nach Gimbach im 18. Jahrhundert hatte Kurfürst Lothar Franz von Schönborn gesorgt, indem er 1709 bei Papst Clemens XI. einen vollkommenen Ablass der Sünden für alle Gimbach-Pilger erwirkt hatte. Gleichzeitig siedelte er dort eine Eremiten-Bruderschaft an, die sich um Kapelle und Pilger kümmerte - die "Einsiedler" wurden an manchen Tagen von mehreren hundert Menschen besucht. Dieser Andrang führte allerdings auch schnell zu Problemen. So beschwerte sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts Pfarrer Anderetsch bei seinem Dienstherren in Mainz: "Binnen 20 Jahren meines Hierseins habe ich noch keinen Kirchweihtag zu Gimbach erlebt, wo nicht Schlägereien daselbst vorgekommen sind." Der Hofbauer, der Bier, Wein, und Branntwein verkaufte, mehre noch die Gefahr, dass die Pilger ganz unchristlich miteinander umgingen. Und Anderetschs Kollege Spieß schrieb einige Jahre später: "Die verdorbene Jugend von Kelkheim ging nicht wegen der Kapelle, sondern wegen des Wirtshauses nach Gimbach, und dies wird nicht aufhören." Nachdem die Eremiten 1811 Gimbach verlassen hatten, gingen die Diskussionen um die Wallfahrt so lange weiter, bis die Nassauische Regierung schließlich 1828 einen Schlussstrich zog und die Wallfahrten nach Gimbach kurzerhand verbot.

Der Hanseklinger, das unbekannte Wesen
Hatte Pfarrer Spieß nur wenig Positives über die Kelkheimer zu berichten, so wetterte sein Nachfolger Joseph Bonn 1880 in seiner Kirchenchronik gegen die Mitglieder der eigenen Fischbacher Pfarrgemeinde: "Eine überaus große Zahl Kinder und Erwachsener ging täglich auf den Bettel in den Maingau. Die Trunksucht war stark eingerissen." Des weiteren schrieb Bonn von einer "ganzen Gesellschaft professioneller Säufer, den sogenannten Hanseklingern". Eine andere Version über die Herkunft dieses Fischbacher Spottnamens präsentierten vor vielen Jahren die Initiatoren des Hanseklinger-Brunnens um Ludwig Angloher. Demnach wurden die Fischbacher von ihren Nachbarn so genannt, weil sie als Waldarbeiter ihre Handsägen so sehr zum Klingen brachten, dass es vor allem in den Wintermonaten noch weithin zu hören war.

Obstanbau auf "Baumäckern"
Endgültig klären lassen wird sich die Herkunft des Namens "Hanseklinger" wohl nicht mehr. Sicher aber ist: Das Leben der Bewohner in dem idyllisch gelegenen Ort am Staufen war bis ins 20. Jahrhundert hinein äußerst beschwerlich. Die Landwirtschaft blieb lange Zeit der dominierende Wirtschaftszwei, wobei die großbäuerlichen Höfe Gimbach und Retters einem Teil der Bevölkerung Arbeit als Mägde und Knechte oder als Tagelöhner bei der Ernte bot.
Viele Fischbacher Bauern begannen damals mit dem Obstanbau, der auf Grund der Bodenverhältnisse und des günstigen Vordertaunusklimas auch brauchbare Ernten abwarf. Vor allem Steinobst, Äpfel und Birnen wurden angebaut. Da sie ansonsten nur wenig Flächen zur Verfügung hatten, pflanzten die Fischbacher Bauern zwischen die Stämme zusätzliche Kartoffeln, Gemüse oder Beeren - daher stammt die Bezeichnung "Baumäcker". Damit sie auch im Winter genug Obst zum Essen hatten, konservierten die Kleinbauern Äpfel und "Quetsche" (Zwetschgen) als Dörrobst oder kochten es zu Mus. Die "Latwerje" (gesprochen: Latwersch) wurde dann in Steingutfässchen aufbewahrt und als Brotaufstrich, aber auch als Hauptmahlzeit zu Kartoffeln gegessen.

Die erste Möbelausstellung fand in Fischbach statt
Ein kleines Zubrot verdienten sich die Fischbacher durch die Nutzung des Waldes. Sie sammelten Waldfrüchte, Reisig und Brennholz und boten es zum Verkauf an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich dann ebenso wie in Kelkheim auch in Fischbach das Schreinerhandwerk, was zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensverhältnisse führte. Und auch wenn sich schließlich Kelkheim den Beinamen "Dorf der Möbel" sicherte: Die Fischbacher sínd immer noch stolz darauf, dass nicht die Kelkheimer "Hochsaascher", sondern sie selbst Anfang der der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts die erste Möbelausstellung im Taunus auf die Beine stellten. Die Kelkheimer zogen erst 1925 nach, setzten sich dann aber wegen der größeren Zahl der Betriebe auf Dauer durch.
Besonderheiten:
Fischbach hat heute rund 5.800 Einwohner und wurde genau wie Münster erstmals 780 urkundlich erwähnt.

Auf Fischbacher Gemarkung liegt ein besonderer Ort Kelkheims: der Rettershof. Das ehemalige Kloster und spätere Hofgut liegt im Talgrund des Retterser Baches. Die Stadt erwarb das Anwesen 1980 mit Gutshof, einem Herrenhaus im englischen Tudorstil und 110 Hektar Wald, Wiesen und Äcker. Durch den Kauf sollte eine Aufteilung des kulturhistorisch bedeutenden Ensembles vermieden werden. Der Rettershof ist für die Menschen aus der Umgebung ein beliebtes Ausflugsziel. Im Sommer bietet er für die Veranstaltungen des Kultursommers ein zauberhaftes Ambiente.

Ein Glanzpunkt in Fischbach ist die Staufenhalle. Das Fischbacher Feuerwehrhaus hat sich ebenfalls verändert. Der frühere Schlauchturm musste weichen, um für den Anbau einer neuen Fahrzeughalle Platz zu schaffen. Der Neubau umfasst eine Grundfläche von 200 qm für drei neue Farhzeugboxen und eine Werkstatt.

Neben einem neuen Anstrich hat das Bürgerhaus Fischbach auch ein Foyer erhalten mit einer Garderobe und der Möglichkeit der gastronomischen Nutzung. 

Staufenhalle, Bürgerhaus und Feuerwehrhaus bilden jetzt auf dem Rathausplatz ein harmonisches Ensemble.

Die 1781 erbaute katholische Pfarrkirche steht in dominierender Ortsrandlage über dem Talgrund des Fischbaches. Das Kircheninnere birgt eine überraschende Fülle von Werken aus dem 18. Jahrhundert.

Am Hühnerberg entwickelte sich ein kleines aber feines Gewerbegebiet.