Kelkheim-Münster


Kirchplatz mit Brunnen
Einwohnerzahl: 7.239
Fläche: 555 ha
Ersterwähnung: 780
Geschichte des Stadtteils:
Alte Römer und "weiße Erde"
Schon die alten Römer wussten den Münsterer Ton zu schätzen. Deshalb legten sie im heutigen Münsterer Wald mehrere Tongruben an, von denen auch heute noch Reste in der Nähe des Reitplatzes zu sehen sind. Verarbeitet wurde der Rohstoff allerdings nicht vor Ort - die Taunus-Legionäre brachten ihn dazu in Karren in ihre Zentralziegelei nach Nied.
Die späteren Bewohner des Ortes verzichteten auf solche Umwege. Das Münsterer Töpferhandwerk lässt sich auf Grund von Scherbenfunden schon für das 12. Jahrhundert belegen und eine Quelle nennt für 1622 den "Alt-Häfner" Georg Komp. Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten sich auswärtige Töpfer in Münster an und belebten das Handwerk neu.
Im 19. Jahrhundert erlebte das Münsterer Tonhandwerk seine Blütezeit. Zahlreiche Gruben wurden damals um den Ort herum ausgehoben. Eine von ihnen lag zwischen dem Friedhof und dem heutigen Tierheim, wo ein sehr heller, gut brennbarer Ton lagerte, von den Münsterern "weiße Erde" genannt. Rötlichen Ton lieferten Gruben auf dem Gelände des heutigen Betriebshofes. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Münster sechs Töpfereien. Das Ziegeleihandwerk erlebte seinen Höhepunkt ein paar Jahrzehnte später um 1890. Damals gab es in Münster zehn Ziegeleien mit etwa 80 Beschäftigten.

Sebastian Koch, Handwerker und Künstler
Der bekannteste Münsterer Töpfer war Sebastian Koch. Gemeinsam mit seiner Schwester Josefa ("Sette") betrieb er eine Werkstatt im Höchster Weg (heute Frankfurter Straße). Koch fertigte hauptsächlich Kacheln an, töpferte aber auch kunstvoll bemalte Krüge. Mit seinen Motivkacheln machte er sich weit über Münster hinaus einen Namen - sie wurden 1922 sogar in einer Kunstausstellung in München präsentiert. Und seine Arbeit brachte Sebastian Koch nicht nur Anerkennung; mit Gebrauchsgeschirr und Hauskacheln machte er zudem guten Umsatz. Vor dem Ersten Weltkrieg erwirtschaftete er pro Jahr 6000 bis 8000 Goldmark. Dass Sebastian Koch dennoch 1922 sein Geschäft aufgeben musste, lag im Gegensatz zu den anderen Münsterer Töpfern weniger an zurückgehender Nachfrage, sondern an den Wirren der "großen" Wirtschaft während der Inflationszeit. Der Konkurs seiner Hausbank, der Höchster Vereinsbank, trieb Koch in den Ruin. Nur ein Jahr später starb er, wie es heißt , am Kummer darüber. Fünf Jahre später gab dann mit Philipp Wolf, genannt "Dippe Philipp", auch der letzte Münsterer Töpfer seinen Beruf auf.

Ziegelsteine für die "Rotfabrik"
Die Ziegeleien gerieten zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenfalls in die Krise. Der Grund: Die Tonvorkommen gingen zur Neige und neue, industrielle Herstellungsverfahren andernorts machten den Münsterer Familienbetrieben zu schaffen. Auch die größte Ziegelei in Münster, die Dampfziegelei Schuckmann, in der Lorsbacher Straße, blieb davon nicht verschont. In ihrer besten Zeit (1890) beschäftigte sie 20 Arbeiter, später musste die Familie ihren Betrieb an die Farbwerke Hoechst verkaufen. Die in der Dampfzieglei gefertigten Backsteine wurden unter anderem bei dem Bau der Herrnwald-Siedlung verwendet sowie bei der Errichtung des Tor- und Verwaltungsgebäudes der "Rotfabrik".

Straßennamen als Erinnerung
Die letzte Münsterer Zieglei schloss 1940 ihre Pforten. Die Familie Mollath musste sie im Zweiten Weltkrieg aus Sicherheitsgründen still legen. Bis dahin hatten die Mollaths an zwei Standorten Ziegeln, Dachpfannen und feuerfeste Schamottsteine hergestellt - in der Königsteiner Straße 31 (Ziegelei Georg Mollath) und der Königsteiner Straße 42 (Ziegelei Heinrich Mollath).
Auch in den anderen Kelkheimer Stadtteilen waren, wenn auch nur vereinzelt, Töpfereien und Ziegeleien entstanden. An die Töpferei von Bernhard Sachs in Kelkheim erinnert heute noch der Straßenname "Töpferstraße". Außerdem hatte Wilhelm Lanz in der Mühlstraße eine Töpferwerkstatt eingerichtet. Auf dem Gebiet des heutigen Berliner Rings stand die Ziegelei Graf. Ihr Gebäude wurde nach dem Krieg als Schreinerei weitergenutzt. In Fischbach gab es noch bis in die 1950er Jahre einen Ziegeleibetrieb mit etwa zehn Mitarbeiter.
Besonderheiten:
Der Stadtteil Münster mit seinen heute rund 7.000 Einwohnern wurde 780 erstmals urkundlich erwähnt.

Münsters Kirchplatz hat einiges zu bieten. Da ist zum einen der wohl bekannteste Fachwerkbau in Kelkheim, das ehemalige Rat- und Schulhaus. Das markante Gebäude mit charaktervollem Fachwerk über steinernem Untergeschoss und einem Satteldach mit tief herabgezogenem Krüppelwalm wurde 1789 erbaut und in den 1980er Jahren saniert. Der älteste Teil der Kath. Pfarrkirche St. Dionysius ist als erster klassizistischer Kirchenbau in Nassau ein für die Kunstgeschichte bemerkenswerter Bau. Die Kirche wurde 1808-1811 nach einem Entwurf des nassauischen Baumeisters Johann Zais an der Stelle einer kleinen Kirche errichtet. Dem Einsatz der Bürgervereinigung Alt Münster ist es zu verdanken, dass es auf diesem besonderen Platz in unserer Stadt den "Herrgottspetzerbrunnen" gibt. Er wurde von der Kelkheimer Bildhauerin Claudia Pense geschaffen und im Jahre 2000 eingeweiht. Der Name ist irreführend. Er zeigt nicht die Figur eines "Herrgottspetzers", so der Spottname der Nachbargemeinden für die früher wohl besonders frommen Männer der ehemaligen Mutterpfarrei Münster.

Die alte Königsteiner Straße, auch "Hinnergass" genannt, wurde neu mit Kopfsteinpflaster ausgebaut. Mit den liebevoll renovierten Fachwerkhäusern ist sie ein echter Hingucker in Kelkheims südlichstem Stadtteil.

Seit Jahrzehnten gab es Planungen zur Erweiterung des 20 ha großen Gewerbegebietes Münster in südlicher Richtung um ca. 15 ha. Mit der Erschließung des 1. Bauabschnittes des Gewerbegebietes Münster Süd sind die Weichen für eine Sicherung der städtischen Finanzkraft auch in den kommenden Jahren gelegt.

Ein besonderer Ort in Münster ist der Kulturbahnhof. Das ehemaligen Bahnhofsgebäude wurde von der Stadt Kelkheim (Taunus) angekauft. Nach Sanierungs- und Umbauarbeiten ist es heute ein beliebter Veranstaltungsort für Lesungen, Kabarett und Kleinkunst.