Kelkheim-Eppenhain


Eppenhain
Einwohnerzahl: 1.084
Fläche: 374 ha
Ersterwähnung: 1285
Geschichte des Stadtteils:

Viehzucht statt Ackerbau
Da der bergige Boden in der Umgebung Eppenhains sich seit jeher nur eingeschränkt für den Ackerbau eignete, spezialisierten sich die Eppenhainer schon früh auf die Viehhaltung und nutzten ihr gerodetes Land vorwiegend als Weide ("Wath"). Anfang des 19. Jahrhunderts besaß die Gemeinde drei Viehherden. Dafür beschäftigten die Eppenhainer einen Gemeindehirten, dem sie ab 1818 ein eigenes Haus in der Schloßborner Straße zur Verfügung stellten. Kaufpreis und Unterhaltungskosten des Hauses wurden pro Kopf umgelegt. Jedes Mitglied der Gemeinde durfte dafür zwei Schweine kostenlos mit zur Herde des Hirten geben.

Das Aus für den Gemeindehirten
Mitte des 19. Jahrhunderts gingen die Eppenhainer Bauern zur Stallhaltung ihres Viehs über. Dies hatte für sie den Vorteil, dass sie die Wiesen nun mehrmals pro Jahr abmähen konnten. Das Heu wurde als Winterfutter verwendet und zum Teil auch weiter verkauft. Für den Gemeindehirten bedeute dies allerdings das Aus. 1853 trat mit Johann Prokasky II. der letzte Eppenhainer Gemeindehirte seinen Dienst an.
Im Hinterhaus wurden anschließend unbemittelte Bürger unter gebracht. Ähnlich wie in Ruppertshain reichten damals auch in Eppenhain Zusatzeinnahmen aus dem Sammeln von Brennholz oder Waldfrüchten kaum aus, um den Lebensunterhalt der Bewohner zu sichern. Dies besserte sich auch nicht sonderlich, als die Eppenhainer in der Jahrhundertmitte begannen, Dachschiefer auf dem Feld "Ottilie" am Schieferberg abzubauen.

Der Aufschwung trug den Namen August Gasser
Zu einem wirtschaftlichen Aufschwung kam es in Eppenhain- ähnlich wie in den anderen Kelkheimer Stadtteilen - erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Und stärker als in den anderen Orten war diese Entwicklung in Eppenhain mit einem einzigen Namen verbunden: August Gasser. Der ehemalige Lehrer war 1895 als Pensionär nach Eppenhain zurück gekehrt. Doch wollte er sich dort nicht etwa auf sein Altenteil begeben, sondern nach dem Vorbild von Königstein oder Kronberg von dem sich entwickelnden Taunus-Tourismus profitieren. Direkt nach seiner Rückkehr ließ er oberhalb des Dorfes die Pension und Gastwirtschaft "Montesita" errichten. Durch seinen guten Kontakt in die größeren Städte der Umgebung - Frankfurt, Mainz, Wiesbaden - konnte er zahlreiche Erholungssuchende mit Berichten über die wohltätige Wirkung der Bergluft und die idyllische Ruhe nach Eppenhain locken.

Anfangs lächelten die Einheimischen noch über die verwegenen Pläne ihres ehemaligen Schulmeisters, doch als schon im ersten Jahr mehrere hundert Touristen in den Ort kamen, sprangen sie schnell auf den anrollenden Zug auf. In den folgenden Jahren entstanden in Eppenhain zahlreiche weitere Hotels, Pensionen und Gaststätten. Von 1897 an kümmerte sich der ebenfalls von August Gasser initiierte Kur- und Verkehrsverein um die Belange der Fremden - und sorgte unter anderem dafür, dass sonntags keine Wäsche mehr aufgehängt wurde und die die Misthaufen von den Straßenrändern verschwanden.
Schon ein Jahr nach seiner ersten Pension "Montesita" errichtete Gasser am Atzelberg die Pension "Silvana". Um weitere Gäste anzulocken, verließ er sich nicht allein auf die Mundpropaganda, sondern ließ spezielle Flugblätter drucken und machte Werbung in Tages- und Hotelzeitungen.

Reiche Neubürger sorgten für kleine Vermögen
Nicht nur Touristen kamen nach Eppenhain, sondern zunehmend auch reiche Familien aus dem Rhein-Main-Gebiet, die sich hier fest ansiedeln wollten. Als erster baute der Kaufmann Johann Göbel am Atzelberg eine Villa im Schweizer Stil namens "Walsfried". Eine besondere Erwähnung verdient das Theodorhaus, das 1895 eingeweiht wurde und als Erholungsheim für unbemittelte Näherinnen von der sozial engagierten Frau von Koop aus Wiesbaden gestiftet wurde. Schon bald umgab ein Ring von Villen den alten Ortskern. Und einige vormals arme Eppenhainer waren durch den Verkauf von Bauplätzen zu einem kleinen Vermögen gekommen.   

Besonderheiten:
Eppenhain ist Kelkheims nördlichester, mit 400 m über dem Meeresspiegel höchster und mit rund 1.000 Einwohnern auch kleinster Stadtteil. 1285 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung.

Am Eingang des alten Eppenhainer Ortskerns steht in Handlage die 1907/08 nach einem Entwurf des Regierungsbaurates Saran errichtete St. Josefs-Kirche. Das Bauwerk aus Natursteinen, die aus Eppenhainer Steinbrüchen stammen, und aus Basaltsteinen aus dem Westerwald, passt sich hervorragend der umgebenden Taunuslandschaft an.

Das ehemalige Rathaus wurde 1978 renoviert und dient heute den Vereinen als Bleibe.

Vor dem alten Rathaus befindet sich der August-Gasser-Brunnen, der 1993 erbaut wurde. Der Laufbrunnen aus Sandstein erinnert an August Gasser (1834-1914), der von 1864 bis 1867 Lehrer in Eppenhain war und nach seiner Pensionierung im Jahre 1895 wieder hierher zurück kehrte. Er eröffnete in Eppenhain eine Fremdenpension und leitete damit die Entwicklung Eppenhains als Erholungsort ein.