Kelkheim-Hornau


Kirchengemeinde St. Martin
Einwohnerzahl: 4.237
Fläche: 581 ha
Ersterwähnung: 874
Geschichte des Stadtteils:
Die Familie von Gagern in Hornau
Obwohl sie nur knapp 50 Jahre in Hornau lebte, prägt die Erinnerung an die Familie des Freiherren Hans Christoph von Gagern auch heute noch das Bild des Ortes. Dafür sorgen unter anderem Straßen- und Schulnamen (Gagernring, Max-von-Gagern-Schule), die Familiengräber auf dem Hornauer Friedhof und die Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Gagernschen Hofgutes in der Rotlintallee. Die Gedenkstätte wurde 1998 zum 150jährigen Jubiläum der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche von der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth eingeweiht und sorgte wegen ihrer ästhetischen Gestaltung ("Hinkelsteine") seinerzeit für einige Diskussionen.
Hans Christoph von Gagern erwarb das Hornauer Hofgut 1818 als Alterssitz, nachdem er sich aus der aktiven Politik zurückgezogen hatte. Von Gagern war zuvor lange Jahre leitender Minister im Fürstentum Nassau-Weilburg und von 1815 an Gesandter Luxemburgs bei der ständigen Versammlung des Deutschen Bundes in Frankfurt am Main.
Die bekanntesten der insgesamt zehn Kinder von Hans Christoph und Caroline von Gagern waren die "drei politischen Brüder" Friedrich, Heinrich und Maximilian. Wichtigstes Ziel der drei war die deutsche Einheit, wobei Heinrich und Max dafür als Abgeordnete der Nationalversammlung in der Paulskirche stritten - Max als Abgeordneter von Nassau und sein Bruder Heinrich bekanntermaßen als Präsident des Paulskirchenparlaments. "Fritz" dagegen war Zeit seines Lebens Soldat.
"Max" war derjenige der drei Brüder, der am engsten mit dem Hofgut in Hornau verbunden war. Nach seiner Heirat mit Franzina Lambert im Jahre 1833 lebte das Ehepaar dort gemeinsam mit den Eltern. Maximilian von Gagern war es schließlich auch, der das Gut 1852 nach dem Tod des Vaters erbte. 1866 allerdings verkaufte er es für 79 000 Gulden an den Herzog von Nassau, der im nahen Königstein seine Sommerresidenz hatte. "Max" verließ Hornau anschließend und starb am 17. Oktober 1889 in Wien, wo er zuvor als Ministerialrat tätig war.
1897 übernahm eine Gastronomin namens Anthes das Hofgut, die dort bis 1908 eine Fremdenpension betrieb. Im gleichen Jahr allerdings musste das Herrenhaus wegen Schwammbefalls abgerissen werden. 1913 schließlich wurde das restliche Hofgut aufgeteilt und versteigert. Einen Großteil der Ländereien erwarb der Möbelfabrikant Wilhelm Dichmann, den Rest sicherten sich einige Hornauer Bauern. Von dem ehemals 200 Morgen großen Gagernschen Hofgute existiert heute nur noch das ehemalige Gesindehaus, das seit 1954 der katholischen Gemeinde St. Martin als Pfarrbüro dient.

Vom Leben der kleinen Leute
Die einfachen Hornauer lebten bis ins 20. Jahrhundert hinein weitgehend von der Landwirtschaft - zum Teil als Knechte, Mägde oder saisonale Tagelöhner auf dem Hofgut von Gagern. Im Gegensatz zu Kelkheim und Münster war das Handwerk in Hornau nur wenig ausgeprägt. Für die Mitte des Jahrhunderts sind in Hornau sechs Leinenweber nachgewiesen, die dieser Tätigkeit in Heimarbeit neben ihrer Landwirtschaft nachgingen.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand ein großer Teil der Hornauer Männer als Mauerer oder Fabrikarbeiter eine neue Erwerbsmöglichkeit. Einige von ihnen arbeiteten 1885 beim Bau des Frankfurter Hauptbahnhofes mit. Dazu mussten sie allerdings täglich nach Frankfurt kommen. Was für sie einen Arbeitsweg von bis zu vier Stunden bedeutete. Von Hornau aus liefen sie zu Fuß bis zum Sodener Bahnhof, von wo aus seit 1847 ein Zug nach Frankfurt fuhr. Nach einem mindestens zehn Stunden langen Arbeitstag ging es dann wieder den gleichen Weg zurück.
Einige der Hornauer entschieden sich schließlich aber auch dafür, dem Vorbild der Kelkheimer zu folgen und sich als Schreiner zu betätigen. So gab es 1907 in Hornau bereits 10 Schreinereien mit 20 Beschäftigten.
Besonderheiten:
Hornau, der nördlichste Stadtteil der Kernstadt, wurde 874 erstmals urkundlich erwähnt. Heute wohnen hier rund 4.100 Menschen.

In den letzten Jahren wurde eine "kulturelle Achse" vom Vereinshaus bis zur Alten Kirche Hornau geschaffen. Das Vereinshaus Hornau wurde im Dezember 2000 nach nur achtzehnmonatiger Bauzeit eingeweiht. Bei dem Bau handelt es sich um eine Besonderheit. Er entstand durch die "Muskelhypothek" der Hornauer Vereine. Mehr als 4.500 Stunden brachten sie an Eigenleistungen in das Gebäude ein. Die Räume in dem Vereinshaus werden gut angenommen. In dem Gebäude sind neben dem Jazzclub und dem Kino Kelkheim noch eine Vielzahl anderer Vereine untergebracht.

Die alte Martinskirche ist der älteste noch erhaltene Kirchenbau in Kelkheim. Die Jahreszahl 1725 im Bogen des Sandsteinportals zeigt das Datum ihrer Fertigstellung. Dieses Kleinod wurde restauriert. Sie steht heute für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen zur Verfügung und bietet für 120 Besucherinnen und Besucher Platz. Neben der Alten Kirche Hornau steht das vor 1830 im klassizistischen Stil errichtete Gesindehaus des ehemaligen Hofgutes der Freiherren von Gagern, die dieses von 1818 bis 1866 besaßen. Der "Weise von Hornau", Hans Christoph von Gagern war ein Staatsmann von europäischer Bedeutung. Mit seiner Ehefrau Caroline, genannt Charlotte, hatte er zehn Kinder. Die drei "politischen Söhne" Friedrich, Heinrich und Maximilian schreiben deutsche Geschichte. Als Präsident der ersten deutschen Nationalversammlung von 1848 in der Frankfurter Paulskirche, war Heinrich von Gagern der bekannteste Spross der Familie. Im Stadtteil Hornau bewahren neben dem Gagernhaus noch die Gagernanlage, die Gagernhöhel (im Volksmund auch Fuchshöhle genannt) besonders aber die Gräber der Familie von Gagern auf dem Hornauer Friedhof, die Erinnerung an diese Adelsfamilie.

Wie die Sage erzählt soll der Minnesänger Heinrich von Ofterdingen nach seiner Niederlage im Sängerkrieg auf der Wartburg (1206) in Hornau in der Fuchshöhle gelebt haben. An den Ufern des Baches sang er seine wehmütigen Lieder, die in das Wasser flossen. Davon soll der Name Liederbach abgeleitet sein.

An der Borntreppe in der Hornauer Straße steht das im Jahre 1988 errichtete "Pfingstbörnchen". Der Laufbrunnen wurde als Ersatz für den in den 1950er Jahren hier abgebrochenen Pumpenbrunnen errichtet. Den Namen "Pfingstbrunnen" trägt er von einem alten Pfingstbrauch her. Die alljährliche Brunnenreinigung mit Tanz um den Pfingstbaum. Das Pfingstbörnchen ist Bestandteil des alten Teils der Hornauer Straße, die im Jahre 1992 "nostalgisch" mit Kopfsteinpflaster verkehrsberuhigt ausgebaut wurde